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Belgiens Rallye-Ass Thierry Neuville

im Porträt

Thierry Neuville – die Antwort auf den belgischen Motorsport. Geboren am 16. Juni 1988 und aufgewachsen im belgischen Hünningen, einem knapp 500 Seelen Dorf in der Nähe von St. Vith, kann der heute 31-jährige Profisportler auf eine mehr als beachtliche Rennsport-Karriere zurückblicken. Bereits über 107 WM-Rallyes ist Neuville in seiner Karriere gefahren. Angefangen bei eindrucksvollen Darbietungen im Amateurbereich bis hin zu großartigen Performances bei der FIA Rallye-Meisterschaft sowie der Intercontinental Rally Challenge: Eingefleischten Motorsportfans ist Thierry ein bekannter Name. Doch was steckt hinter dem Erfolg des bodenständigen und ehrgeizigen Rallye-Asses? PICOLO traf den vielbeschäftigen Rennfahrer zum privaten Interview.

Thierry, wie kamst du eigentlich zum Rallyefahren?

Im Gegensatz zu manchen meiner Kollegen entstamme ich nicht direkt aus einer motorsport-vorbelasteten Familie. Dennoch nahm die Liebe zum Motosport bereits von klein auf einen wichtigen Platz in meinem Leben ein. Mein Vater ist ein großer Fan und nahm mich regelmäßig zu Motorsportveranstaltungen mit. Als ich sechs Jahre alt wurde, lieh er mir als Geschenk ein Kinderquad bei einem Motorradhändler für ein Wochenende aus. Ich war so begeistert, dass ich es gar nicht mehr zurückgeben wollte. Später schafften mein Bruder und ich uns dann richtige Quads und dann auch Crossautos an. Wir schraubten eigentlich ständig an irgendeinem fahrbaren Untersatz herum, mit dem wir auf die nahegelegene Rennstrecke in Spa-Franchorchamps fuhren. Als ich 18 wurde, erzählte ich meinen Eltern dann, dass ich unbedingt Rallyefahrer werden will.

Und wie haben deine Eltern auf deinen Wunsch reagiert?

Die fragten mich natürlich zuerst, wie ich mir das genau vorstelle und wie das finanziell funktionieren soll. Aber ich hatte da bereits einen Plan und mir im Saarland einen Opel Corsa für 7.500 Euro angeschaut. Das Geld dafür habe ich mir geliehen und dann haben wir das Auto schließlich an einem Samstag abgeholt und auf einem Hänger mit zurückgenommen.
Meine allererste Rallye bestritt ich dann 2007 gemeinsam mit meinem Kumpel Markus Meyer in einem Citroën Saxo VTS im RACB-Kriterium der East Belgian Rally (EBR). Von da an hatte ich endgültig Blut geleckt.

Wenn man betrachtet, wo du heute stehst, klingt das eigentlich wie ein wahrgewordenes Rallye-Märchen, oder?

Man muss da schon bedenken, dass das am Anfang natürlich alles noch sehr holprige Gehversuche waren und auch nicht immer alles von Anfang an glatt lief. Bei einem meiner ersten Rennen war das Abenteuer nach einem Abflug in ein Waldstück schnell beendet. Man darf sich aber von Niederlagen niemals aufhalten lassen. Die gehören eben genauso dazu wie das Gewinnen. Das habe ich bereits früh verstanden. Auch in schwierigen Phasen standen meine Familie und mein gesamtes Team immer bedingungslos hinter mir. Es ist schön, dass ich mein großes Hobby zum Beruf machen konnte und hieran auch meine Familie teilhaben lassen kann. Da auch mein jüngerer Bruder Yannick Rallyefahrer ist, dreht sich bei uns alles um den Motorsport.

Apropos Familie, wie uns zu Ohren gekommen ist, bist du mittlerweile selbst Vater. Hat sich hierdurch etwas für dich verändert?

Ja, das stimmt. Seit drei Monaten bin ich Vater einer kleinen Tochter. Natürlich ist das ein einschneidendes Erlebnis, aber durch die prima Unterstützung meiner Lebensgefährtin ist mein Beruf und das Vatersein gut miteinander vereinbar. Ich bin rund 250 Tage im Jahr unterwegs. Da ist es schon wichtig, dass man jemanden hat, auf den man sich zu 100 % verlassen kann. Durch die sozialen Medien, insbesondere durch Facetime und Whatsapp, ist es mir möglich, mit meinen Freunden und meiner Familie bestmöglich in Kontakt zu bleiben. Das ist mir persönlich enorm wichtig.

Wünschst du dir, dass deine Tochter später mal in deine Fußstapfen tritt?

Das wäre sicherlich eine spannende Sache und ich würde sie nach bestem Gewissen dabei unterstützen. Jedoch mache ich mir darüber aktuell eher weniger Gedanken. Hauptsache sie ist glücklich und gesund.

Wer Thierry Neuville in Action sehen möchte, erhält auf seiner offiziellen Instagram-Seite spannende Einblicke in den Rallye-Alltag des Profifahrers: @thierryneuville