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Ist die ostbelgische Kuh ein „Klimakiller“?

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50 Schüler der Landwirtschafts- und Gartenbauabteilung der BSTI St. Vith räumen mit Fake-News auf

Seit Jahrzehnten werden an der Bischöflichen Schule in St. Vith die Landwirte von morgen ausgebildet. In den letzten Jahren ist die Landwirtschaft weltweit in ein sehr schlechtes Licht gerückt worden: Themen sind hierbei der großflächige Anbau von Monokulturen mit steigendem Verbrauch von Düngemitteln und Pestiziden, die Massentierhaltung, ermöglicht durch den Einsatz von billig hergestellten Pflanzenprodukten, Antibiotika oder Bioziden oder aber auch die Methan ausstoßende Kuh als Klimasünder Nummer Eins.

Landwirte und Agrarpädagogen werfen den Medien hierbei eine einseitige Berichterstattung vor, die darauf abziele, die „Kuh als Buhmann“ für die Klimakatastrophe darzustellen.

Kuh als Buhmann?

Um diesen Mythen der „Kuh als Klimakiller“ entgegenzuwirken, startete die Landwirtschaftsabteilung der BSTI St. Vith, ein jahrgangübergreifendes Projekt, das von insgesamt 50 Schülern vom 3. bis zum 7. Jahr während zwei Tagen erarbeitet wurde. „Der Landwirt bleibt in der derzeitigen Medienlandschaft oft als hauptsächlicher Verursacher von Umwelt- und Klimaschäden im öffentlichen Gedächtnis haften. Wir möchten mit der Studie erreichen, dass unsere „Landwirte von morgen“ kritisch hinterfragend mit diesen Vorurteilen und sogar Fehlinformationen aufräumen können“, so Pädagoge Hilar Mausen. Zunächst wurden die Schüler von ihren Lehrern mit diversen Materialien auf ein gemeinsames Informationsniveau
gebracht, bevor sechs verschiedene Gruppen gebildet wurden, die – um die Diversität zu wahren – Schüler der Ober- und Unterstufe mischten. Zu den Themen Permakultur, das Grünland, der Boden, die Pestizidbelastung, die „Kuh-Verdauung“, sowie zu den bestehenden Agrarumweltmaßnahmen wurde dann nach Fakten gesucht. Ziel war es hierbei, entsprechende Schnittmengen zu finden, die Antworten auf die brennenden Klimafragen liefern sollten.

Positiver Bodenbindungssatz

Die Landwirtschaft in Ostbelgien wurde dabei besonders durchleuchtet und analysiert. Hierbei kam ein überraschendes Ergebnis heraus, das die Meinung von Umweltschützern Lügen strafen ließ: Ostbelgien ist eine Region, in der die Landwirtschaft umweltschonend arbeitet. Diese Erkenntnis fußt auf die Tatsache, dass in Ostbelgien 98 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus
Grünland besteht. Die Grünlandwirtschaft sei perfekt an Klima und Höhenlage unserer Region angepasst und stehe in keinerlei Nahrungskonkurrenz zum Menschen. Grünlandböden gelten sogar als eigene, sehr stabile Ökosysteme, mit hohem Humus-Anteil (= CO2-Speicher) und vielfältigem Bodenleben. Der Normalbürger im ländlichen Raum kritisiert oftmals die in den vergangenen Jahren „gefühlt“ gestiegene Gülle-Ausbringung. „In Bezug auf den Bodenbindungssatz liegen wir bei der Ausbringung von Gülle im grünen Bereich. Über 90 % der Landwirte haben genügend Landfläche um die produzierten Nährstoffe sorglos auszubringen. Außerdem ist der ostbelgische Rindviehbestand von 1980 bis 2015 um rund 32 % gesunken. Die Landwirte führen die mineralischen Nährstoffe, die sie der Natur durch Grasschnitt entnehmen über die Gülle wieder zurück. Das ist ein perfekter, harmonischer Kreislauf“, so Hilar Mausen.

Ostbelgien arbeitet ökologisch wertvoll

Die Kuh sei der beste Gründlandverwerter und biete somit nur Vorteile für die Umwelt, was den Humusgehalt von ca. 6,5 %
untermauere. Natürlich habe die Kritik von Umweltschützern auch eine Berechtigung, treffe aber für die Wirtschaftsstruktur in Ostbelgien und der gesamten Region
nicht zu. „Es handelt sich vielmehr um die globale Landwirtschaft, die berechtigt in der Kritik steht. Da, wo Regenwälder
abgeholzt werden, um an schnelles Geld zu gelangen, wird zwangsläufig CO2-bindender Humus abgebaut, sodass das CO2 in die Atmosphäre gelangt.“ Es stimme zwar, dass dieses im Regenwald urbar gemachte Land zur Viehzucht genutzt werde, aber jede Kuh auf der Welt als
Klimakiller zu schimpfen sei doch sehr pauschal, meint Hilar Mausen. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, erscheint „unsere ostbelgische Kuh“ weniger als Klimakiller, sondern eher als ein zur Region passendes Nutztier.

Darüber hinaus sei die Grünlandwirtschaft auch in anderen Umweltbereichen
vorbildlich. Aus Daten der Wallonischen Region geht hervor, dass sowohl Oberflächen- als auch Grundgewässer unserer
Region weder Nitrat- noch Pestizidbelastungen aufweisen. Ein Großteil der biologisch bewirtschafteten Fläche in der Wallonischen Region liegt in der Grünland-Zone der Hochardennen, bzw. der Ardennen, während die ostbelgische Landwirtschaft mit über 2072 km „geschützter“ Hecken und 680 ha „biologisch wertvollen Wiesen“ einen wesentlichen Beitrag zum Artenschutz leistet.

Ostbelgischer Landwirt: ein Landschaftsgärtner

„Natürlich dürfen wir nicht so wie bisher weiter machen, aber die Lage hier in Ostbelgien ist keineswegs beängstigend. Ich denke da beispielsweise an den Maisanbau. Es laufen bereits Versuche mit Grasuntersaat, damit der Boden nach der Ernte bewachsen bleibt. Auch im Bereich der Fruchtfolgen laufen intensive Forschungen, um den Boden zu stärken und diesen auch für den Klimaschutz fit zu machen“, erklärte Hilar Mausen. Motivierend für die Landwirte sind sicherlich die subventionierten Umweltmaßnahmen, die unter anderem Projekte wie Erhaltung von Hecken, Bodenbedeckung im Winter, Bäume und Sträucher, natürliche
Weiden und Blühstreifen fördern. Und was kann der Normalverbraucher in diesem Zusammenhang tun? In Sachen Fleischkonsum solle man sich laut Erkenntnis der Schüler mehr auf regionale Produkte beschränken, da diese nicht aus der Massentierhaltung stammen und nachweislich viel weniger Umweltschäden verursachen. Das Credo müsse demnach nicht „weniger Fleisch“, sondern eher „regionales Fleisch“ sein.

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