laden

Tippe zum suchen

„Delfine des Landes“ bieten tollen Ausgleich

Teilen

Alpaka-Zucht der Familie Halmes in Bütgenbach

Evelyne und Luc Halmes aus Bütgenbach haben vor vier Jahren ihre Passion für Alpakas entdeckt und sich seitdem auch der Zucht dieser stolzen Andentiere gewidmet. Das Paar bietet auf seinem kleinen Hof in Bütgenbach Hofführungen an und lässt die Rohwolle regional zu hochwertigen Stepp-Bettdecken und Strickgarnen verarbeiten. Picolo besuchte das Paar auf seinem Hof, nicht in den Anden, sondern in Bütgenbach.

Große braune Augen, umrahmt von langen schwarzen Wimpern, ein flauschig-weiches Fell und ein Aussehen wie ein Steiff-Tier aus dem Musterkatalog. Nein, die Rede ist nicht von Comic-Figuren oder Stofftieren, sondern vom Andentier Alpaka.

Knuffelige Tiere

 

Ein altes Inka-Sprichwort besagt schon: „Wer einem Alpaka zu lange in die braunen Augen schaut, ist von ihm für immer gefesselt.“ Eine Erfahrung, die auch das Ehepaar Halmes aus Bütgenbach machte. Evelyne Halmes hatte schon immer die Idee und den Traum, als Tierliebhaberin einen „kleinen Bauernhof“ mit vielen Tieren zu haben. Mit Hühnern, Meerschweinchen, Kaninchen, Ziegen, Schafen, Pampahasen und sogar einem Esel fing alles an, bevor die „Gutsbesitzerin“ im Fernsehen eine Dokumentation über die „Delfine des Landes“ sah und sofort ihr Herz an die Alpakas verlor. „Das war wie ein Geistesblitz. Der Zufall wollte es, dass wir mit Edgar Andres aus Heuem in Kontakt kamen, der bereits seit Jahren Alpakas besitzt und züchtet. Wir kauften uns zwei trächtige Stuten sowie einen Hengst und begannen so vor nunmehr vier Jahren unsere eigene Alpaka-Zucht“, erinnert sich Evelyne Halmes.

Wie ein Geistesblitz

Zwischenzeitlich wurden Ziegen und Schafe abgeschafft und der Fokus voll auf die Alpakas gelegt. „Für uns ist das Alpaka das optimale Zuchttier, denn die Tiere sind extrem pflegeleicht und machen kaum Arbeit“, bemerkt Luc Halmes, der seine Reisepassion mit dem Alpaka-Virus in Einklang bringen muss. „Ja, es stimmt, ich reise für mein Leben gern. Aber durch die Alpakas haben wir unsere Reiseziele ganz anders kennenlernen dürfen, denn überall auf der Welt gibt es Alpaka-Züchter, die sich zu einer großen, eingeschworenen Familie zusammengeschlossen haben“. So war das Paar trotz der recht jungen Zucht bereits bei Richtshows in Großbritannien, Österreich, den USA und Deutschland unterwegs und konnte hierbei auch schon wichtige Preise mit nach Ostbelgien bringen. Das Ehepaar ist jedenfalls glücklich, dass die beiden Hobbys perfekt miteinander in Einklang gebracht werden können. Was die Zucht anbelangt, so erweist sich diese bei Alpakas als ein äußerst langwieriges Unterfangen.

12-monatige Tragezeit

Dies sei vor allem der 12-monatigen Tragezeit geschuldet, sodass die Zuchtergebnisse erst nach einem Jahr sichtbar werden. Selbst die Crias, wie die Fohlen der Alpakas im Fachjargon heißen, benötigen ein weiteres Jahr, um die Güte und Klasse zu bestimmen. „Wir sind daher darauf bedacht, die bei den Kriterienshows geforderten Aspekte mit in unsere Zucht einzubringen. Der Rahmen, also der Körperbau und die Genetik, sowie das Flies mit entsprechender Feinheit, Dichte, Crimp (Kräuselung) und der Quantität spielen hierbei eine wichtige Rolle“, erklärte Luc Halmes. Das Alpaka als Fleischproduzent sei eher eine Nische, die vor allem in Südamerika Anwendung findet. Somit legt das Züchter-Ehepaar besonderen Wert auf die Wollqualität. „Wir wünschen uns eine Kratzhärte von unter 20 Mycron. Alles was darüber liegt, kommt der Schafwolle zu nahe und kratzt. Die Wolle des Alpaka kommt ohne körpereigenes Lanolin (Wollfett) aus und eignet sich somit perfekt für Allergiker. Zudem handelt es sich bei der Wolle um so genannte „Hohlfasern“, die thermoregulierend arbeiten und somit keinerlei Schweiß annehmen. Das ist besonders für Menschen mit Schweißfüßen ein toller Aspekt“, lobt Evelyne Halmes die „Wahnsinnsfaser“.

Derzeit leben auf dem Alpaka-Hof der Familie Halmes in Bütgenbach 27 Tiere, während noch 11 Crias in naher Zukunft das Licht der Welt erblicken werden. Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren, um das feine Flies zu gewinnen. Dann fallen ca. 2 kg Wolle pro Tier an – für eine Bettdecke werden mindestens 1,8 kg benötigt. Die Wolle, d. h. die Tiere gibt es in insgesamt 22 Farbvariationen. Mit einer kleinen artisanalen Spinnerei in Vielsalm fand man zudem einen geeigneten Partner zur Verarbeitung der Wolle. „Ja, wir bieten unsere eigene Wolle als Garn, aber auch als Steppdecken an. Die Resonanz hierbei ist riesig.“

„Den Tieren könnte ich stundenlang zuschauen!“

Doch vor allem schätzt das Ehepaar die Ruhe und Gelassenheit der Tiere. „Wir haben mit unserer Bäckerei einen ziemlich stressigen Job, sodass die Tiere und die Arbeit hier auf dem Hof uns einen tollen Ausgleich bieten.“ Doch auch wenn sie so aussehen, Kuscheltiere sind Alpakas bei weitem nicht. Die eigenwilligen Geschöpfe sind zwar äußerst neugierig, lassen sich aber nur ungern anfassen und halten stets gebührenden Abstand zum Menschen. Nur die Crias können der eigenen Neugier selten widerstehen und kommen immer wieder schnuppernd angelaufen. Bei Stuten kann es in seltenen Fällen zu Rivalitätsgebärden wie Spucken kommen, was der Klärung der Rangordnung dient, doch Menschen werden normalerweise nicht bespuckt.

Hofführungen

Familie Halmes bietet auch spezielle Hofführungen sowie Wanderungen mit Alpakas an. „Sie gelten als die Delphine des Landes“, beschreibt Evelyne Halmes die positive Wirkung auf den Menschen, die vielfach auch therapeutisch genutzt wird. Gerade hier möchte die kleine Alpaka-Farm in Bütgenbach in Zukunft verstärkt auftreten. „Ja, wir machen unsere Tiere halfterführig, sodass wir mit ihnen auch ausgedehnte Wanderungen durchführen können.“ Hofführungen inklusive eines Kaffees in der Bäckerei kosten pro Person 8,50 €, für Gruppen unter 5 Personen wird eine Pauschale von 40 € erhoben. Zusätzlich gibt es für Besucher einen 10 %-Rabatt auf alle Alpaka-Produkte im Bäckerladen. „Wir sind auch mit der Resonanz und der Akzeptanz unserer Kunden zufrieden. In unseren fünf Filialen sorgen ca. 1.200 Kunden für eine Steigerung des Bekanntheitsgrades der Alpakas und wir erfahren gerade einen Hype für Mützen, Schals, Ponchos und Strümpfe.“

Kein Reiten, Striegeln, Melken oder Blöken!

Die Anden-Tiere, die entfernte Verwandte der Kamele sind, vertragen nur mageres Gras und Heu und erhalten Mineralien, Kraftfutter und Vitamine als Zugabe. Was die Quantität des benötigten Futters anbelangt, so benötigt ein Alpaka gerade mal ein Sechstel einer Milchkuh. „Eigentlich ist ein Alpaka ein perfektes Tier, denn man muss es im Gegensatz zu Pferden nicht reiten oder striegeln, man muss es nicht wie Kühe oder Ziegen melken und auch jegliches Blöken entfällt. Auch was den Platzbedarf anbelangt, sind die Tiere mit 500 qm pro Alpaka sehr genügsam“, bemerkte Luc Halmes abschließend.

Weitere Auskünfte bei Evelyne und Luc Halmes
Hofstraße, 54 in Bütgenbach
Tel.: +32 (0)478 29 84 50