laden

Tippe zum suchen

„Ostbelgien abgedreht“

Teilen

Kreatives Ostbelgien auf Video gebannt

Ein Videowettbewerb des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Vor einigen Monaten lancierte das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit d „Ostbelgien abgedreht“ einen Videowettbewerb, der die Wesenheiten Ostbelgiens kineastisch darstellen und analysieren sollte. Er richtete sich an alle in Ostbelgien lebenden Menschen, gleich welchen Alters, die „ihr Stück Heimat“ in einem kurzen Video zwischen 30 und 90 Sekunden festhalten wollten. „Erzählt uns, wieso ihr gerne in Ostbelgien lebt, was ihr an unserer Gegend gut oder schlecht findet und was ihr euch für unsere Heimat wünscht“, so die Prämisse. Das Video, egal ob mit Handykamera oder einer Digitalkamera produziert wurde schließlich von einer Jury bewertet, die vor allem die „Idee“ also die Kreativität in ihren verschiedenen Facetten in den Fokus stellte. Picolo hatte die Gelegenheit, mit Deby Bollig (20) und Luka Hennen (20) von „Blocksatz“ zwei Preisträger zu interviewen.

Weshalb haben Sie an diesem Wettbewerb teilgenommen?

 

Deby Bollig: Ich fand es interessant anderen zeigen zu können, was ich an Ostbelgien gerne habe. Ebenfalls wollte ich die schönen Orte von Belgien repräsentieren, da sie oft vergessen werden. Ich wollte mir selbst eine neue Herausforderung setzen und sehen wie weit ich es schaffe.

 

Maxim Stoffels: Cédric und ich haben an diesem Wettbewerb teilgenommen, da uns das Filmen sehr interessiert. Ich betreibe einen YouTube-Kanal, auf dem ich wöchentlich Videos über angesagte Technik produziere. Da die Videos sehr aufwendig in der Produktion sind, hilft Cédric mir oftmals dabei und weil wir uns daher auch schon relativ gut mit Filmschnitt auskennen, dachten wir, dass es eine coole Idee wäre, wenn wir an diesem Wettbewerb teilnehmen würden und dort unsere Ostbelgien-Highlights zeigen.

 

Luka Hennen: Filmwettbewerbe gibt es in jeglicher Form und Größe. Viele fokussieren sich auf professionelle Produzierende, einige auch auf Newcomer und junge Filmemacher gemünzt. Ostbelgien Abgedreht ist ein offener Wettbewerb ohne Teilnahmeeinschränkung, der sich allen Interessierten

öffnet. Von der Schulklasse in der Primarschule bis zum Renter kann jeder sein filmisches Talent unter Beweis stellen. Das ist interessant, so sieht man, was die unterschiedlichen Alters- und Teilnehmergruppen bewegt und interessiert.

 

Wie sieht Eure bisherige „Filmer-Karriere“ aus?

 

Luka Hennen: Blocksatz ist ein Zusammenschluss von drei ostbelgischen Studenten und quasi die Fortsetzung unserer gemeinsamen Arbeit in der Schülerzeitung der Bischöflichen Schule St. Vith. Wir haben damals die Schülerzeitung vom Papier ins Internet verfrachtet konnten so auch die komplette

Bandbreite der Medienvielfalt nutzen. Unter unserem Teamnamen ‚blocksatz‘ setzen wir nun in erster Linie Filmprojekte um — aktuell hauptsächlich im dokumentarischen Bereich um, so zum Beispiel eine Doku zum Wereth-Massaker während der Ardennenoffensive. In gewisser Weise bot uns der Wettbewerb auch eine Möglichkeit, dem Genre der Dokumentation zu entfliehen und eine andere Schnitt- und Filmtechnik zu nutzen. Das ist schon ganz erfrischend, keine großartige Fakten- und Materialrecherche betreiben zu müssen (lacht).

 

Deby Bollig: Also, um ehrlich zu sein war dies mein zweites Video, das ich erstellt habe. In meinem ersten Video handelte es sich um Karneval, dieses habe ich mit kleinen Videos und Bildern zusammengestellt. Ich bin eigentlich mehr in der Fotografie tätig. Die Fotografie ist mein Hobby, womit ich vielen Leuten mit schönen Bildern eine Freude machen kann. Meistens mache ich Fotos rund um den Karneval.

 

Maxim Stoffels: Wie schon gesagt, lade ich wöchentlich Videos auf meinem YouTube-Kanal hoch, den ich seit August 2015 betreibe. Dort mache ich Testberichte über Technik (Smartphones, Lautsprecher, Laptops, …) in Form eines Videos. Ich versuche ständig, mich im Videoschnitt zu verbessern und neue Funktionen & Möglichkeiten im Schnittprogramm kennenzulernen. Ich investiere sehr viel Zeit in mein Hobby und kann nach jedem fertig geschnittenen Werk stolz sein, wieder ein tolles Video gemacht zu haben. Mittlerweile habe ich über 250 Videos auf „Techcheck“ hochgeladen und beinahe eine halbe

Million Klicks erreicht. Vor zwei Jahren konnte ich außerdem den zweiten Platz beim Videowettbewerb „15 und medienfit“ erreichen.

 

Mit welchem Equipment habt Ihr gearbeitet?

 

Maxim Stoffels: Alle Videos werden derzeit mit meinem Handy, dem OnePlus 6, gedreht und anschließend auf dem MacBook geschnitten. Bis vor zwei Jahren habe ich jedes Video mit meiner Canon-Kamera gemacht, doch da ich die Bildqualität auf eine 4K-Auflösung steigern wollte, musste ich daher auf

meine Handy-Kamera setzen. Zusätzlich haben wir dann noch verschiedene Stative und Kamera-Schienen verwendet, damit die Qualität des Videos nochmals steigt. Bei jeder Szene wird später im Schnitt die Farbe verbessert, sodass die Bilder noch besser aussehen.

 

Deby Bollig: Ich besitze unter anderem eine Canon EOS 70D, die ich diesmal zum filmen genutzt habe, mit einem Tamron 18-125 3.8 -5.6 Objektiv und nicht zu vergessen ein Stativ. Um das Video zu schneiden und zu bearbeiten, wurde das Videoschnittprogramm Vegas Pro benutzt.

 

Luka Hennen: Bei derzeit noch nicht Gewerbetätigen ist das Budget natürlich relativ eng gesteckt. Realisiert wurden die Aufnahmen mit einer klassischen Spiegelreflexkamera (DSLR). Generell kann man aber sagen: es ist in erster Linie egal, ob ein Film mit einer ARRI Alexa oder einem Smartphone realisiert wurden, solange die Story stimmt. Viele sind sich dessen nicht bewusst, aber das ist nach wie

vor die Grundregel der Filmemacher: Geschichten erzählen und sich nicht an Equipment messen. Natürlich werden durch professionelleres Equipment auch die Qualität des Endprodukts gesteigert und neue (auch kreative) Möglichkeiten eröffnet, doch Emotionen, Gefühle, Bedeutungen werden immer noch über die erzählte Geschichte vermittelt.

 

 

Möchtet Ihr die Leidenschaft des Filmens auch beruflich weiterleben?

 

Luka Hennen: Man ist ja noch jung (lacht). Sich jetzt schon festzulegen, wäre etwas verfrüht, zumal wir alle etwas ganz anderes als Medienpraxis studieren. Derzeit ist es reine Leidenschaft, trotzdem ist ein Standbein in einem anderen Fachbereich immer gut. Wir planen jedenfalls, ein kleines Gewerbe anzumelden, um auch Auftragsarbeiten von Kleinunternehmen, etc. annehmen zu können. Das soll jedoch vorerst ein leidenschaftliches Hobby bleiben. Doch die administrativen Angelegenheiten sind da sehr hoch. Blickt man da über die belgische Grenze, sieht man, dass die junge kreative Szene es dort viel einfacher hat, ein Kleingewerbe anzumelden. Es ist da schon in gewisser Hinsicht traurig, dass die ostbelgischen Jugendlichen da eingeschränkt werden, wenn ich da an Filmemacher-Kollegen und Fotografen denke. Es wäre schön, wenn sich da mal etwas tut. Dem kreativen Nachwuchs Ostbelgiens würde es jedenfalls nicht schaden, wenn hier die nötigen Informationspunkte und gesetzlichen Rahmenbedingungen für jugendliche Gewerbeinteressierte geschaffen werden.

 

Maxim Stoffels: Ja, das wäre mein größter Wunsch, jedoch ist das meiner Meinung nach in Ostbelgien nicht möglich, da es hier in der Gegend ziemlich wenige Stellen gibt, wo ich sowas machen könnte. Das ist leider sehr schade, jedoch werde ich weiterhin aktiv Videos auf meinem Kanal hochladen. Ich denke,

dass es in Deutschland einfacher ist, einen Beruf zu finden, wo Videoschnitt benötigt wird. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, beim BRF an den Schnupperwochen teilzunehmen. Dabei bot sich die Gelegenheit, beim Filmschnitt dabei zu sein.

 

Deby Bollig: Beruflich möchte ich dies nicht machen, ich würde es sehr gerne als Hobby weiterführen und würde mir gerne noch andere Herausforderungen stellen. Beruflich bin ich in sozialen Berufen tätig.

 

Worauf habt Ihr bei diesem Wettbewerbsprojekt besonders geachtet?

 

Deby Bollig: Ich habe vor allem darauf geachtet, Ostbelgiens schönste Orte vorzustellen. Vor allem die Vielseitigkeit die Ostbelgien zu bieten hat wollte ich präsentieren um es z.B. für Touristen interessant zu gestalten. Ich hätte gerne noch weitere Abschnitte in das Video eingebaut, aber leider reichte mir die angegebene Zeit nicht.

 

Luka Hennen: Kreativität muss hier wohl an erster Stelle genannt werden. Und Singularität. Wir wollten ursprünglich etwas ganz anderes machen, mit Fokus auf der Dialektvielfalt, untermalt mit künstlerisch-ästhetischen Aufnahmen. Das Script haben wir allerdings aufgrund des engen Zeitrahmens verworfen und anschließend trotzdem das gängige Format der klassischen „Collage“ genutzt. Es ist alles ziemlich unter Zeitdruck entstanden und wird unserem „künstlerischen Anspruch“ nicht ganz gerecht, doch wie sagt man so schön: „Dabei sein ist alles“. Und das geht bei einem Filmwettbewerb eben nicht ohne einen entsprechenden Filmbeitrag. Der Schwerpunkt auf Sounddesign sollte das Ganze dann trotzdem ein wenig vom „Üblichen“ abheben.

 

Maxim Stoffels: Beim Video haben wir besonders darauf geachtet, dass es persönlich ist und wir uns zu 100% mit dem Gezeigten identifizieren können. Zudem waren unsere Qualitätsansprüche am Video sehr hoch und daher haben wir viele Nachmittage damit verbracht, ein gutes Endprodukt zu produzieren.

 

Gab es externe Hilfe?

 

Deby Bollig: Ja, mein Freund hat mir erklärt wie das Videoschnittprogramm Vegas Pro zu bedienen ist, so dass ich dies verwenden konnte um das Video zu bearbeiten. Zudem eine Freundin, die ich filmen durfte und einen guten Chef, der mir mehrmals Bier gezapft hat bis ich das perfekte Video im Kasten hatte.

 

Maxim Stoffels: Nein, wir haben den Clip komplett selber produziert.

 

Luka Hennen: Externe Unterstützung in Form von Experten oder Fachleuten gab es nicht. Allerdings haben wir vereinzelt lizenzfreie Ton- und Bildelemente genutzt, die wir zeitlich nicht selbst aufzeichnen konnten. Das Internet und zahlreiche Plattformen bieten da also in gewisser Hinsicht eine „Hilfe“.

 

Wie war die Unterstützung durch die Wettbewerbsplaner?

 

Luka Hennen: In Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal bot das Parlament für Interessierte ohne Equipment das notwendige Material an. Auch Rückfragen administrativer Art wurden schnell und konsequent beantwortet. Für manch einen sicherlich ein willkommenes Angebot.

 

Maxim Stoffels: Seitens der Wettbewerbsplaner gab es einige Inspirationen, an denen wir uns ein wenig orientiert haben.

 

Welche Tipps könnt Ihr eventuellen „Nachahmern“ geben?

 

Deby Bollig: Ich kann meinen Nachahmern nur empfehlen, sich früh genug damit auseinander zu setzten, sich sicher sein was sie alles in dem Video zeigen möchten und eine genaue Planung des Vorhabens zu erstellen.

 

Luka Hennen: Sich inspirieren lassen — von den ganz großen Blockbustern, aber auch von den kleinen unscheinbaren Dingen im Alltag. Versuchen zu verstehen, wie und warum eine Szene technisch und semantisch funktioniert und dies in eigenen Ideen und Projekten umsetzen. Mit dem Medium spielen.

Hört man alles immer wieder, kann man aber nicht oft genug sagen.

 

Maxim Stoffels: Das Video sollte auf jeden Fall gut geplant und durchdacht sein. Jeder Arbeitsschritt wurde bei uns vorher zu Papier gebracht, so dass wir die eigentlichen Dreharbeiten ziemlich schnell abschließen konnten. Eine gute Planung ist bei einem Video das Wichtigste und gute Kenntnisse mit einem Schnittprogramm wie z.B. Final Cut Pro sollten auch eine Voraussetzung sein. Wir schreiben jedes Wort auf, dass wir sagen, den Ort, wo wir drehen und wie lang die jeweilige Szene sein soll. Vor Beginn der Dreharbeiten eines Videos, machen wir uns Notizen und schreiben auf, wie und in welcher Perspektive die Szene gedreht wird. Sogar mit aktuellen Handys kann man gute Videos produzieren. Es muss nicht gleich eine 1000€-Kamera sein.

 

Was werdet Ihr mit dem Preis „anstellen“?

 

Deby Bollig: Was ich mit dem Preis anstellen werde, kann ich noch nicht so genau sagen. Ich denke, dass ich es in meine Fotoausrüstung investieren werde.

 

Luka Hennen: Der Preis landet zunächst Mal im Sparschwein und wird voraussichtlich als Teil einer Investition in eine professionellere Kameratechnik genutzt.

 

Maxim Stoffels: Da ich noch nicht weiß, was der Gewinn sein wird, kann ich die Frage also auch noch nicht beantworten. Was der Preis sein wird, werde ich erst bei der Überreichung erfahren.

 

Habt Ihr weitere Projekte im Visier?

 

Luka Hennen: Wir werden bis Mai 2019 die Dokumentation über das Wereth-Massaker während der Ardennenoffensive abschließen. Danach haben wir bereits ein anderes Projekt in Aussicht, die sich mit der Bar- und Café-Szene St.Vith im Verlauf der Zeit beschäftigt. Wir sind da allerdings spontan und machen das, worauf wir aktuell Lust haben — das ist die Freiheit, die man als noch nicht Gewerbetreibende genießt.

 

Deby Bollig: Ich habe ein Folgeprojekt im Visier, ein Video über mein Heimatdorf „Kelmis“. Für den Verkehrsverein.

 

Maxim Stoffels: Ja, es sind bereits jede Menge Projekte in der Planung. Im Dezember werde ich beispielsweise einen „Adventskalender“ machen, wo ich bis Heiligabend jeden Tag ein Video veröffentlichen werde. Diese vielen Videos sind natürlich ein Haufen Arbeit und daher haben wir auch schon im Oktober mit der Produktion der Clips begonnen. Je nach Video kann der Schnitt auch gut und gerne Mal mehr als acht Stunden dauern. Zudem denken wir über einen Kurzfilm nach, den wir Mitte 2019 hochladen wollen. Am Drehbuch wurde bereits angefangen.