laden

Tippe zum suchen

Vitamin C

Teilen

Wundermittel oder einfach nur überschätzt?

Ob als Serum, als Tablette oder als Kiloware, das Geschäft mit Vitamin C oder seiner chemischen Bezeichnung als Ascorbinsäure brummt unaufhörlich.

Extra Portion Gesundheit?

Käufer versprechen sich durch die Einnahme des Vitamins eine extra Portion an Gesundheit. Doch die Wirkung ist mehr als fraglich und einige Experten erachten diese Überdosen als skeptisch und teilweise sogar als gefährlich. Eigentlich ist das künstliche Vitamin C aus der Not heraus geboren. Noch vor hundert Jahren war die Globalisierung ein Fremdwort und die Menschen mussten sich saisonal ernähren. Zitrusfrüchte, die bekanntlich besonders viel Vitamin C beinhalten, waren in unseren Breitengraden zwar bekannt, aber aufgrund der nicht vorhandenen schnellen Transportmöglichkeiten absolute Exoten. Eigentlich ist Vitamin C ein Naturprodukt, enthalten etwa in Zitronen, Kiwis, Paprika und Brokkoli. Chemisch umfasst es L-Ascorbinsäure und deren Ableitungen. Diese Säure ist an vielen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt und aus diesem Grund auch für die körperliche Entwicklung von großer Bedeutung.

Zitrusfrüchte

Heute weiß man, dass bereits 10 mg Vitamin C Skorbut völlig ausschließen. Doch es sollte noch weitere 100 Jahre dauern, bis im Zuge der aufkommenden Vitaminforschung der entscheidende Wirkstoff bekannt und extrahiert wurde. Als erster Wissenschaftler beschrieb der Ungar Albert Szent-Györgyi zusammen mit seinem britischen Kollegen Norman Haworth die anti-skorbutische Wirkung von Ascorbinsäure. Jetzt ging es praktisch Schlag auf Schlag, sodass dem Schweizer Chemiker Tadeus Reichstein die chemische Synthese aus Traubenzucker gelang. Reichstein war es auch, der den Siegeszug des künstlichen Vitamins einläutete. Der Schweizer verkaufte 1933 sein Patent an das Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche. Mit einer entsprechend erfolgreichen Marketingstrategie schuf der Konzern somit die Nachfrage für ein medizinisch nicht notwendiges Produkt. Eigentlich brauchen die Menschen kein zusätzliches Vitamin C. Lediglich die einseitige Ernährung auf hoher See sorgte bei Matrosen für Probleme, sodass die Entdeckung eigentlich nur für diesen Berufszweig hätte Anwendung finden dürfen. Doch die Menschen möchten sich immer wieder etwas Gutes tun, sodass eine extra Portion an Vitaminen oder Mineralien stets willkommen ist. Aus dem harmlosen Mittel wurde somit ein Kassenschlager und Blockbuster. Der Konsum von Ascorbinsäure wurde Allgemeingut.

Vitamine als Kassenschlager

Inzwischen kommt kaum ein industriell hergestelltes Lebensmittel ohne den Zusatzstoff E 300 aus. Ascorbinsäure steckt etwa in Wurst, Brot, Joghurts und sogar in Sauerkraut. Als Oxidationshemmer verlängert es die Haltbarkeit und erhält die Farbe des Lebensmittels. Selbst mit Vitamin C angereicherte Nahrungsmittel sind auf dem Markt. Ernährungswissenschaftler erachten eine Tagesmenge von 110 mg bei Männern und 95 mg bei Frauen als ausreichend. Diese Menge steckt in einer halben roten Paprika oder einer Apfelsine. Also sind zusätzliche Vitamin C-Pillen im Grunde genommen mehr als überflüssig. Allerdings ist eine Überdosis an Vitamin C durch den Verzehr von Obst, Gemüse oder anderen vitaminreichen Lebensmittel schier unmöglich. Wenn überhaupt, kann bei übertriebener Einnahme von Vitaminpräparaten von einer Überdosis gesprochen werden, wenngleich die Symptome mit Durchfall, Kopfschmerzen oder Übelkeit mit Erbrechen nicht lebensbedrohend sind. Vitamine sind keineswegs Medikamente, sodass diese auch nicht bei Erkrankungen eingesetzt werden sollten. Forscher untersuchten beispielsweise, ob extrem hohe Mengen an Vitaminen positiv auf die Gesundheit wirken. Die Ergebnisse schreckten eher ab: Nährstoffe in rauen Mengen schützten nicht wie gedacht vor Schlaganfall oder Herzinfarkt und begünstigten sogar zum Teil das Wachstum von Tumoren. Also der Verzehr von vitaminreichem Obst und Gemüse reicht allemal, um gesund durch den Winter zu kommen.