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Ein Zug & fertig!

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Klein und unscheinbar aber nicht mehr wegzudenken: Der Reißverschluss feiert 125. Geburtstag

„Die Männer haben keine Geduld! Deswegen haben sie auch den Reißverschluss erfunden!“ Dieses Zitat der bekannten Schauspielerin Senta Berger ist sicherlich überspitzt, erklärt aber allzugut Sinn und Zweck des „Zippers“, der vor 125 Jahren eigentlich recht zufällig von findigen Ingenieuren erfunden wurde. Grund genug für Picolo, den Siegeszug des „Schließmechanismus“ Revue passieren zu lassen.

Zufallserfindung

Wir schreiben das Jahr 1893. Die Welt befindet sich im Umbruch, die Industrielle Revolution hat die Arbeitswelt völlig verändert. Es ist eine Zeit des Aufbruchs und der wissenschaftlichen und technischen Entdeckungen. Einer dieser hoffnungsvollen Techniker und Ingenieure war der in Chicago lebende Whitcomb Judson. Eigentlich tüftelte er an einer mit Druckluft betriebenen Straßenbahn und hatte in diesem Zusammenhang bereits 14 Patente angemeldet. Der Durchbruch wollte aber nicht gelingen und das Projekt drohte zu scheitern. Judson entschied sich eine Schaffenspause einzulegen und ein Problem aus dem Alltag anzugehen: das umständliche Binden der Schuhe.

Mit Haken und Ösen

Ein „Klammerverschluss oder -öffner“ mit Haken, Ösen und einem Gleitmechanismus kam schließlich dabei heraus, der auch sofort patentiert wurde. Noch im selben Jahr stellte er seine Erfindung auf der Weltausstellung in Chicago der Öffentlichkeit vor und kreierte sogar einen eigenen Werbespruch: „Ein Zug und fertig!“. Doch der „Erfolg klemmte irgendwie“, denn oft öffnete und schloss der neue Verschluss genau dann, wenn er nicht sollte. Nichtsdestotrotz hatte Judson den Reißverschluss erfunden, ohne den sich die Welt heutzutage wahrscheinlich nicht so rund drehen würde.
Judson hatte ursprünglich an Schuhe als Einsatzgebiet gedacht, später vielleicht auch Handschuhe, Postsäcke oder Korsetts. Gemeinsam mit seinem Partner Lewsi Walker gründete der Erfinder die „Walker Universal Fastener Company“, die erste Reißverschlussfabrik der Welt. Aber weil die Erfindung noch nicht ausgereift war, blieb der Erfolg aus. Judson starb veramt im Jahre 1909. Doch die Idee wurde weiterentwickelt und schaffte einige Jahre doch noch den internationalen Durchbruch: Der aus Schweden stammende Gideon Sundbäck verbesserte Judsons Erfindung und gab ihr das heutige Aussehen mit zwei biegsamen Stoffstreifen, an deren Seiten je eine Reihe Zähnchen aus Metall oder Kunststoff von einem Keil aneinander gepresst werden. Jetzt war der „Reißverschluss“, in Modekreisen auch „Zipper“ genannt, nicht mehr aufzuhalten und verdrängte seine Widersacher Knöpfe und Schleifen immer mehr. Als Teil von Uniformen in zwei Weltkriegen und schließlich dann auch in der Alltagskleidung und der Haute Couture wurde er unentbehrlich.

Produktion in Luxemburg

In den 1920er Jahren stellte der Ostschweizer Martin Otmar Winterhalter die Reißverschlüsse erstmals in Serienproduktion unter anderem in Luxemburg her. (DuPont stellt noch heute Spezialreißverschlüsse für Schutzanzüge her, a d R)
Die Vermarktung gestaltete sich schwierig, die konservative Kundschaft gab sich weiter zugeknöpft und bezeichnete das Haken- und Ösenkonstrukt als „zu vulgär.“ Erst in den 1930ern startet der Zipper durch: Das Münchner Modehaus Hirmer bietet erstmals Herrenhosen mit Reißverschlüssen an! Ein Leben ohne Reißverschluss? Undenkbar. Längst ist die geniale Erfindung nicht nur bei Kleidern, Hosen, Taschen, Geldbeuteln und Bettwäsche anzutreffen, sie verschließt auch Zelte, Tauchanzüge und feuerfeste Formel 1-Fahrerkombis, verriegelt Ölsperren, Fischer- und Vogelnetze, selbst rindslederne Bibeln, Leichensäcke, künstliche Rasenstücke auf Fußballfeldern und Patienten-Bäuche nach Operationen.

„Wunderding“

Für viele war der Reißverschluss ein „Wunderding“. So schrieb der spitzzüngige Kurt Tucholsky über das Technikmysterium: „Kein Mensch kann sich erklären, warum der Reißverschluss funktioniert. Ich weiß es nicht, du weißt es nicht, wir alle wissen es nicht.“ Doch sind die Reißverschlüsse je nach Einsatzgebiet nicht ganz ungefährlich, wie eine Studie von US-Urologen 1999 klarmachte. Mehr als 81.000 männiche Patienten – davon 81 % Kinder – landeten wegen Reißverschlussverletzungen an ihrem „besten Stück“ in der Notaufnahme. So existiert sogar ein medizinisches Fachbuch mit dem Titel „Reißverschlussverletzungen – Tipps und Tricks für Urologen.“
Der Reißverschluss: „Er hilft dabei, mögliche nicht gewollte und peinliche Unordnung zu vermeiden.“ Happy Birthday, Zipper!