laden

Tippe zum suchen

Vom Klappern, Titschen und Schibbeln

Teilen

Osterbräuche aus der Großregion – Ein Traditionsfest mit christlichen und heidnischen Einflüssen

Der Winter geht zu Ende,  der Frühling kehrt ein und erfüllt Fauna und Flora mit neuem, Hoffnung bringendem Leben.  Überall gibt es Traditionen und Brauchtümer rund um Ostern.   Doch was steckt eigentlich  hinter Ostereier, Klappern und Eierlage?  Picolo ging dieser Frage nach.

Das Osterei

Auf der ganzen Welt verbreitet ist die Tradition des Eierfärbens zu Ostern. Der Ursprung des Brauches ist nicht verlässlich geklärt. So gilt das Ei in der Kunstgeschichte als Symbol der Auferstehung. Das Ei steht in vielen Religionen für neues Leben und Wiedergeburt, da aus ihm Leben schlüpft. Bereits die Römer und Griechen hängten bunte Eier als Frühlingsgruß in Tempeln auf. Die Christen übernahmen die Freude über das erwachende Leben in der Natur und übertrugen sie auf die Auferstehung Jesu zu Ostern. Neben der Symbolik besteht auch ein praktischer Grund: Während der Fastenzeit durften keine Eier verzehrt werden, sodass sie gekocht und somit bis nach Ostern haltbar gemacht wurden. Ursprünglich waren die Eier rot bemalt und erinnerten an das Blut Jesu. Kunterbunt wurden sie erst später. Das Verschenken der Eier ist hingegen ein Symbol für das Teilhaben der Mitmenschen am Geheimnis des Glaubens, der Auferstehung des Herrn.

Schönecker Eierlage

Zur Osterzeit bietet das Eifeldorf mit der „Eierlage“ einen der ältesten Osterbräuche der Großregion. In Schönecken ist dieser Brauch der Junggesellen bis ins 15. Jahrhundert belegt. Das Fest beginnt bereits am Palmsonntag mit der Versteigerung, bei der die beiden Hauptakteure nach festgeschriebenen Ritualen ermittelt werden. Die gesamte Dorfgemeinde versammelt sich dann am Ostermontag zum gemeinsamen Kirchgang, bevor ein Umzug mit den beiden Protagonisten, dem Raffer und dem Läufer in traditioneller Pagenkleidung durchs Dorf geht. Unter Aufsicht der beiden Traditionsfiguren Hauptmann und Brudermeister legen die Sodalen insgesamt 104 in Sägemehl eingebettete rohe Eier im Rinnstein der Dorfstraße aus. Pünktlich um 14.10 Uhr beginnt der Wettkampf, wobei der Raffer die Eier einzeln aufheben und in einem Korb ablegen muss, während der Läufer zeitgleich die 7,6 Kilometer lange Wegstrecke von Schönecken nach Seiwerath und zurück absolvieren muss. Sieger ist, wer als erster seine ehrenvolle Aufgabe erfüllt hat. Ihren Ursprung hat die Eierlage, die auch in Süddeutschland und der Schweiz praktiziert wird, wahrscheinlich in einer antiken Mathematikaufgabe, der sogenannten „arithmetischen Reihe“. Im vergangenen Jahr siegte Raffer Tobias Ullrich knapp vor seinem Läufer-Rivalen Marco Schaal, während André Steevens als Hauptmann für Ordnung und Gerechtigkeit sorgte.

Auch im luxemburgischen Bollendorf
finden am Ostersonntag grenzüberschreitende Eierlagen statt, die sich einer wachsenden Beliebtheut erfreuen.

Emaischen & „Peckvillercher“

Das Lukas-Evangelium berichtet von der Erscheinung Jesu vor der eigentlichen Auferstehung in Emmaus. Um dieses Wiedersehen zu feiern, wird am Ostermontag in Nospert und auch in Luxemburg das Emaischen– Fest gefeiert. Die Töpfer aus Luxemburg feierten ursprünglich mit dem Emmaus-Markt ihren Innungstag und boten spezielle Vogelpfeifen aus Keramik, die sogenannten „Peckvillercher“, zum Verkauf an. Eine Original-Pfeife muss einen Ton in zwei Höhen spielen können. Heute werden die Pfeifen bunt bemalt und kreativ ausgeschmückt. Neben den Tonfiguren stehen Geselligkeit, Konzerte, Animationen und Spiele im Mittelpunkt.

Woher stammt das Wort „Ostern“?

Vierzig Tage nach Aschermittwoch feiern die Menschen auf der Erde das Osterfest. Doch woher stammt dieser Begriff eigentlich? Gibt es eine verlässliche Etymologie?

Einige Experten glauben, den Wortursprung im Namen der germanischen Göttin des Frühlings und der Morgenröte, Ostara, herleiten zu können. Diese Göttin Ostara hat es aber – da sind sich Mediävisten heute einig – nie gegeben. Auch die vom angelsächsischen Gelehrten Beda im 7. Jahrhundert
erwähnte Göttin „Eastre“, deren Namen oft mit Osten, Tagesanbruch und Morgenröte in Verbindung gebracht wird, findet anderswo keine Erwähnung.

Einen modernen Lösungsansatz für die Wortherkunft liefert derweil der Historiker Jürgen Udolph von der Universität Heidelberg. Er verweist auf eine nordgermanische Wortfamilie, die sprachlich zu Ostern passt. Das Altnordische „ausa“ meint „Wasser ausschöpfen“, „gießen“, während „austr“ für „das Begießen“ stehe. Dies sei auch eine heidnische Form der Taufe. Unter dem Begriff „vatni ausa“ versteht man das Begießen der Neugeborenen mit Wasser.  Da dieser Vorgang auch ein wesentlicher Bestandteil der christlichen Taufe ist und die Taufe das zentrale Ereignis des christlichen Osterfestes in den ersten Jahrzehnten nach Christus war , vermutet der heidelberger Wissenschaftler einen etymologische Zusammenhang.

Die Mehrzahlform Ostern, wie in den festen Wendungen ‘zu/an Ostern’ oder ‘Fröhliche Ostern!’ erkläre sich laut des Experten entweder aus dem rituellen dreimaligen Begießen (im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes) oder vielleicht auch aus den damaligen Massentaufen.